gloria.tv – Shitstorming für Fortgeschrittene

Wiki­pe­dia schreibt:

„Gloria.tv ist eine Web­site katho­lisch-tra­di­tio­na­lis­ti­scher Aus­rich­tung, die als Video­por­tal und Inter­net­fern­se­hen betrie­ben wird. Gro­ße Tei­le der römisch-katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land und der Schweiz haben sich seit dem Jahr 2013 deut­lich von dem Por­tal distan­ziert bezie­hungs­wei­se ihre Mit­ar­beit oder Unter­stüt­zung been­det.“

Die Bewer­tung „katho­lisch-tra­di­tio­na­lis­tisch“ ist aller­dings eine arge Unter­trei­bung. Das war gloria.tv viel­leicht vor eini­gen Jah­ren. Aber nach­dem das pseu­do­ka­tho­li­sche, rechts­ex­tre­me, juden‑, schwu­len und aus­län­der­feind­li­che kreuz.net nicht ganz frei­wil­lig off­line gegan­gen ist, hat sich gloria.tv als eben­bür­ti­ger Nach­fol­ger erwie­sen. Es ist sicher sehr schwer, sich vor­zu­stel­len, was in den Köp­fen die­ser „katho­lisch-tra­di­tio­na­lis­ti­schen“ Men­schen vor sich geht, aber wenn man sich die Kom­men­ta­re zu fol­gen­dem Video anschaut, bekommt man viel­leicht eine lei­se Ahnung.

Kli­cken Sie hier, um das Video auf You­tube zu sehen.

Es han­delt sich um den Aus­schnitt einer Hoch­zeits­fei­er im iri­schen Dörf­chen Old­cast­le. Am Ende des Got­tes­diens­tes singt der Pries­ter Ray Kel­ly eine umge­dich­te­te Ver­si­on von Leo­nard Cohens „Hal­le­lu­ja“ – zur Über­ra­schung des Braut­paars und der Gemein­de. Eigent­lich eine net­te, harm­lo­se Epi­so­de aus der iri­schen Pro­vinz, aber mit unge­ahn­ten Fol­gen. Inner­halb von nur fünf Tagen wur­de das Video (das Freun­de des Braut­paars auf­ge­nom­men und bei You­tube hoch­ge­la­den hat­ten) 19 Mil­lio­nen mal ange­se­hen, 100.000 ange­mel­de­te Nut­zer klick­ten den „Gefällt mir“-Button.

(Aktu­el­ler Nach­trag: Bis heu­te, 9. Febru­ar 2020, ist das Video 72.943.186 mal ange­klickt wor­den und hat zu 97% eine posi­ti­ve Bewer­tung bekom­men – sie­he Screen­shot.)

Auch gloria.tv ver­link­te die­ses Video. Dar­auf­hin brach ein Shit­s­torm los, der selbst für gloria.tv unge­wöhn­lich war.

Ere­mi­tin schreibt:

Kitsch! Dazu pas­sen die nack­ten Rücken der Brautjungfern…brrrrr.

ale­xi­us meint:

Und wie­der mal wur­de ein poten­ti­el­ler „Deutsch­land sucht den Super­star“ Kan­di­dat ver­se­hent­lich zum Pries­ter geweiht.

eli­sa­beth­vont­hü­rin­gen ist mit weit über 25.000 Kom­men­ta­ren sicher eine der aktivs­ten User auf gloria.tv. Ihre Mei­nung:

ich habe es nie ver­stan­den, war­um aus­ge­rech­net bei Hoch­zei­ten der Bade­zim­mer­look so ange­sagt ist…es fehlt nur noch der “Tur­ban” aus dem Handtuch;arme Leu­te könn­ten da ein­fach “Frot­tee­ba­de­tü­cher umwi­ckelt” erschei­nen!

Beim Kom­men­tar von UNITATE!  stellt sich mir unwei­ger­lich die Fra­ge, ob es zwi­schen Recht­schreib­kennt­nis­sen und geis­ti­gem Niveau einen Zusam­men­hang gibt:

die­ser auf kath.net pro­pa­gier­te POP-Katho­li­zis­mus hat nichts mit der kir­che zu tun.wir machen genau was die welt macht:heute ist er un der cool und ange­sagt mor­gen der…es geht nicht um Inhalt und Sub­stanz son­dern um Event und Sen­sa­ti­on!
das bringt die leu­te nicht näher zu Gott und in die kir­che geschwei­gen­den in den Beicht­stuhl!

Ach so. Der Autor scheint der Mei­nung zu sein, eine Trau­ung müs­se so gestal­tet wer­den, dass sie die Leu­te näher zu Gott und in den Beicht­stuhl bringt. Klingt logisch.
Etwas spä­ter kri­ti­siert er einen Dis­kus­si­ons­teil­neh­mer, der nicht ganz so hef­tig auf den sin­gen­den Pfar­rer ein­prü­geln woll­te:

sie tun mir leid.sie haben wohl kei­ner­lei theo­lo­gi­sche Bil­dung und sind wohl kein auf­rich­tig pra­ki­ti­zie­ren­der Katho­lik-all inclu­si­ve mit beich­te und treue zum katho­li­schen Lehramt.falls doch bete ich dafür dass sie sich besin­nen.
(…) wenn sie so etwas für ihren glau­ben brau­chen feh­len mir doe worte.am liebs­ten wür­de ich sie für paar Monat in ein ortho­do­xes klos­ter in Russ­land oder wenn sie es wär­mer mögen nach grie­chen­land schi­cken da zeigt man ihnen was chris­ten­tum immer schon war und ist!

Jose­fi­ne betrach­tet vor allem den modi­schen Aspekt des Pro­blems:

Wo fand die Trau­ung eigent­lich statt? In einem Well­ness-Klos­ter mit Sau­na? Wie scha­de, dass der sin­gen­de Pfar­rer sich nicht ein biß­chen an die Klei­dung der Damen ange­passt hat… Ich stel­le mir so einen Über­wurf vor wie der Dalai Lama einen trägt, mit nack­ter Schul­ter.

Auch Ere­mi­tin geht es um die Ästhe­tik:

vor allem in der Kir­che soll­te man auf sei­ne Klei­dung ach­ten, ist außer­dem meist kühl dort,lol–nebenbei die nack­ten Tat­sa­chen sind ein­fach nur scheuß­lich und ste­hen den meis­ten nicht mal, aber irgend so ein star oder Stern­chen aus Hol­ly­wood hats mal vor­ge­macht und Lies­chen Mül­ler macht alles nach. Der­zeit sind ja Leg­gings in, d.h. Strumpf­ho­sen ohne Röcke…scheußlicher geht’s kaum mehr

Jesus schaut den Men­schen ins Herz. Die Bli­cke die­ser glo­ria-tv-Fans rei­chen offen­sicht­lich nur bis zur Beklei­dung.

a.t.m ist mit 7.682 Kom­men­ta­ren auch ein häu­fi­ger Gast auf gloria.tv:

Was macht ein Pries­ter der Kon­zils­kir­che ali­as der “DIE NEUE KIRCHE” nicht alles für den Göt­zen Mam­mon und um in die Medi­en zu gelan­gen, und als nächs­ter wird er viel­leicht bei Beer­di­gung “High­way to Hell” sin­gen.
(…) Die Wahr­heit will ja nie­mand hören, aber ich stel­le mir gera­de vor wie dies bei einen Begräb­nis eines/einer Sodomiten/Sodomitin der/die an der Lust­seu­che gestor­ben ist, gesche­hen wür­de, also dann wür­de die­ser von der inner­kirch­li­chen Homo­lob­by noch auf dem Fried­hof, regel­recht gelyncht wer­den.

Der gedank­li­che Brü­cken­schlag von einer Trau­ung mit sin­gen­dem Pries­ter zum Lynch­mord auf einer Homo­se­xu­el­len-Beer­di­gung ist schon beacht­lich…

cypri­an macht sich (ziem­lich unchrist­li­che) Gedan­ken um die Gesund­heit – und das See­len­heil – der leicht beklei­de­ten Hoch­zeits­gäs­te:

Tol­le Par­ty! Der nach­kon­zi­lia­re Enter­tai­ner weiss, sei­ne Gäs­te bei Lau­ne zu hal­ten, die vllt. schon wer weiss wie lan­ge nicht mehr in der Kir­che waren und so schnell auch nicht wie­der kom­men wer­den. Wei­ber hocken mit nack­tem Buckel in der Kirche…früher undenkbar…(Hoffentlich beka­men sie einen ordent­li­chen Hexen­schuss in dem wohl nicht sehr war­men Kir­chen­raum!) Gräu­el der Ver­wüs­tung an (einst?) hei­li­ger Stät­te…”! — Sin­gen kann er ja, der Eucha­ris­tie­vor­ste­her. Er hät­te lie­ber sei­ne Platt­form auf den gros­sen Büh­nen der Welt fin­den sol­len als vor einem Altar (sor­ry, hin­ter einem Tisch!!)!

Noch ein­mal Ere­mi­tin:

der Pfar­rer hät­te ja nach der Mes­se( nicht am Altar ste­hend) eine Gesangs­pro­be geben kön­nen, zudem das besag­te Hal­le­lu­ja mit einem kirch­li­chen Hal­le­lu­ja nichts gemein hat.…ein wirk­lich schö­nes Mari­en­lied hät­te mir an die­ser Stel­le bes­ser gefal­len.

Uups? Die­ses Hal­le­lu­ja hat nicht mit dem kirch­li­chen Hal­le­lu­ja zu tun? Viel­leicht hät­te Ere­mi­tin doch mal genau­er zuhö­ren soll, was Father Ray Kel­ly singt. (Der Text ist auf You­tube nach­zu­le­sen.) Inwie­fern aller­dings ein Lied über die jung­fräu­li­che Got­tes­mut­ter Maria bes­ser in den Kon­text einer Trau­ung gepasst hät­te, erschließt sich mir nicht. Aber macht nichts. Maria passt immer.

a.t.m mischt sich noch ein­mal ein:

Es wird ja nicht mehr lan­ge dau­ern, und dann kann man auch in Kir­chen die ers­ten Fei­ern zur Sodo­mi­ten- Ehe fin­den. Den Für­spre­cher unter den Epi­sko­pat für die “him­mel­schrei­en­de Sün­de der Sodo­mie” gibt es ja lei­der zu vie­le. Aber es ist klar, jeman­den der erfolg­reich der Gehirn­wä­sche namens VK II unter­zo­gen wur­de, der denkt Gut = Böse und Böse = Gut.

Klar. Ein Pfar­rer, der wäh­rend einer Hoch­zeits­ze­re­mo­nie „Hal­le­lu­ja“ singt, ist zwei­fels­frei ein Opfer kon­zi­lia­rer Gehirn­wä­sche. Voll­kom­men logisch.

Aber damit gerät ihm das eigent­li­che Pro­blem aus dem Blick­feld. Monique85 erin­nert, wor­an es wirk­lich geht: um die Mode – Unter­gang der west­li­chen Welt:

Ich kann die­ses Gesül­ze nicht mehr hören, wirk­lich nicht. Da tropft der Schmalz schon im vor­aus­ei­len­den Gehor­sam aus dem Laut­spre­cher, bevor die ers­ten Töne ins Mikro­phon strö­men. Alle klat­schen und sin­gen im Chor mit und hal­ten ihre Attri­bu­te in die Kame­ra: die nack­ten Rücken, die gro­ßen Dekol­tees, die brei­ten Grin­se­ge­sich­ter und die nack­ten spe­cki­gen Ober­ar­me — für die man sich ein paar Jah­re zuvor noch geschämt hät­te — geschwei­ge­denn die Speck­rol­len am Rücken unter dem viel zu engen Kleid. Ich habe nichts gegen wohl­ge­nähr­te Per­so­nen, ich bin viel­mehr der Mei­nung, dass sich beleib­te­re wie schlan­ke und dür­re glei­cher­ma­ßen nicht SO anzie­hen soll­ten, wie hier in die­sem Video. Weder drau­ßen noch in einer Kir­che. Die­se Moden bil­den u.a. die Grund­mau­er des Unter­gangs der west­li­chen Welt. Aber anschei­nend ist die kom­plet­te west­li­che Zivi­li­sa­ti­on von einem so mie­sen, der­ben und erbre­chens­wür­di­gen Geschmack befal­len, dass man sich am liebs­ten dau­er­fremd­schä­men möch­te. Ich erach­te das als Belei­di­gung gegen die Gesell­schaft. Doch in einer Kir­che sich so anzu­zie­hen, ist nor­mal gewor­den und des­we­gen fin­den es die meis­ten Teil­ha­ber die­ser Gesell­schaft wohl total okay. Auch bei uns auf dem Lan­de schrei­tet die hol­de Weib­lich­keit im Bade­zim­mer-Look vor den Trau­tisch und zeigt jedem ihre kal­te Schul­ter. Da haben sie also ihre Eman­zi­pa­ti­on — die heu­ti­gen Frau­en sind direkt in ein Mode-Dik­tat geflüch­tet, das alle Frau­en wie Schlam­pen aus­se­hen lässt, egal wie alt, dick oder dünn. Haupt­sa­che sie wer­den über­haupt noch von den Män­nern ange­guckt, denn dass die­se kei­ne küh­len bur­schi­ko­sen Mann­wei­ber wol­len, war eigent­lich schon vor­her klar. Nur hat frau das jetzt gewal­tig über­trie­ben und bie­dert sich auf schä­bigs­ter Wei­se an. Und wie tief will die Frau noch sin­ken? Im Mini­rock und Strap­sen bei der kirch­li­chen Hoch­zeit??

Ich ver­su­che mir gera­de vor­zu­stel­len, was wohl Monique85 anzieht – im All­tag und wenn sie in die Kir­che geht…

Und der Pries­ter — ja der Pries­ter. Also wenn ein eng­lisch­spra­chi­ger Mann, der oben­drein auch noch Pries­ter ist, die­ses säku­la­re Lied vor dem Altar träl­lert, dann, ja dann ist bei mir die Gren­ze schon wie­der bis Ulti­mo über­schrit­ten.

Tja, Monique85, ich sehe ein, dass eng­lisch­spra­chi­ge Män­ner, die oben­drein noch Pries­ter sind, für man­che teut­sche Katho­li­ken pro­ble­ma­tisch sein kön­nen. Aber eng­lisch­spra­chi­ge Pries­ter sind – eben­so wie eng­lisch­spra­chi­ge Gläu­bi­ge – in Irland weit ver­brei­tet…

cypri­an:

Beim ers­ten Anse­hen könn­te mal drauf­los­la­chen; aber dann folgt nur noch Wut! Sind denn nicht Bischö­fe zustän­dig, sowas zu sank­tio­nie­ren — und der Papst?!

O Hei­li­ger Vater in Rom! Schüt­ze dei­ne Kir­che vor Pries­tern, die sin­gen kön­nen! Bewah­re dei­ne Her­de vor Geist­li­chen, die nicht nur bei recht­gläu­bi­gen Katho­li­ken, son­dern auch bei kir­chen­fer­nen Men­schen beliebt sind! Bestra­fe Pries­ter, die es wagen, im Hau­se Got­tes Lie­der von welt­li­chen Song­schrei­bern vor­zu­tra­gen! Sor­ge dafür, dass alle Got­tes­diens­te so streng und freud­los sind wie eine triden­ti­ni­sche Mes­se, so humor­los wie Reto Nay, Eva Dop­pel­bau­er und Lucia Starin­ski!

Ein Licht­blick unter die­sen Kom­men­ta­ren ist der von Hea­ven­ly Pla­ces:

Wie­so habe ich hier so oft das Gefühl, ich bin beim Giftund­Gal­leTV gelan­det und nicht beim Glo­riaTV ?
Da setzt ein Pries­ter sei­ne von Gott geschenk­te Gabe ein, um einem jun­gen Paar eine Freu­de zu machen, singt ihnen ein sehr per­sön­li­ches Lied, und das mit Herz und Hin­ga­be. Ein Geschenk, das Lie­be und Wert­schät­zung den frisch getrau­ten Ehe­leu­ten ent­ge­gen bringt, und bei allen Begeis­te­rung und Freu­de aus­löst.
Und da gibt es tat­säch­lich Men­schen, die nichts bes­se­res zu tun haben, als über die­sen freund­li­chen Pries­ter her­zu­zie­hen. Sie soll­ten sich schä­men.

Dan­ke, Hea­ven­ly Pla­ces. Schön auf den Punkt gebracht.

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