„Da mischen wir uns als Erzbistum nicht ein.“

Wenn die Kirche ihren Ehrenamtlichen Hilfe verweigert

Wo Men­schen zusam­men­le­ben und ‑arbei­ten, kann es zu Kon­flik­ten kom­men – auch inner­halb der Kir­che, das ist ganz mensch­lich. Aller­dings kann die Hier­ar­chie spe­zi­ell in der katho­li­schen Kir­che die Auf­ar­bei­tung von Kon­flik­ten erschwe­ren. Schließ­lich hat der Pfar­rer – inner­halb sei­ner Pfar­rei – „alle Rech­te und Befug­nis­se“ (CIC Can. 507 § 2). 

Aber das Bis­tum hilft den Ehren­amt­li­chen, wenn es Pro­ble­me gibt, die in der Pfar­rei nicht geklärt wer­den kön­nen. Im Erz­bis­tum Ham­burg unter­zeich­ne­te der dama­li­ge Erz­bi­schof Dr. Wer­ner This­sen 2008 die 

„Rah­men­ord­nung für ehren­amt­li­che Mit­ar­beit im Erz­bis­tum Hamburg“

Dar­in heißt es:

Zur Klä­rung von Beschwer­den, die vor Ort nicht gelöst wer­den kön­nen, wird auf der 
diö­ze­sa­nen Ebe­ne eine Ansprech­part­ne­rin oder ein Ansprech­part­ner benannt.

Rah­men­ord­nung für ehren­amt­li­che Mit­ar­beit im Erz­bis­tum Ham­burg
§4 (1), Absatz i

Das ist natür­lich sehr erfreulich. 

Außer wenn man ver­sucht, die­se Ansprech­part­ne­rin oder die­sen Ansprech­part­ner zu spre­chen. Die gibt es näm­lich nicht. Wer danach fragt, macht sich nicht beliebt.
 

In die­sem kon­kre­ten Fall fing es mit dem dama­li­gen Pfar­rer an, der mir beim Kir­chen­kaf­fee mit­teil­te, dass er die Zusam­men­ar­beit mit mir been­de. Einen Grund dafür zu nen­nen lehn­te er (mit ste­tig stei­gen­der Aggres­si­vi­tät) ab. Nach fünf­zehn Jah­ren ehren­amt­li­cher Arbeit – u.a. als Mit­glied im Pfarr­ge­mein­de­rat und im Aus­schuss für Lit­ur­gie und Öku­me­ne, als Vor­sit­zen­der im Öffent­lich­keits­aus­schuss (aber auch außer­halb von Gre­mi­en) – woll­te ich das natür­lich nicht hin­neh­men. Also wand­te ich mich Hil­fe suchend an das Erz­bis­tum Hamburg. 

So begann eine Odys­see durch die Abtei­lun­gen und Refe­ra­te des Gene­ral­vi­ka­ri­ats, die auch nach fünf Jah­ren nicht been­det ist. Ich habe mir die Mühe gemacht, anhand des E‑Mail-Ver­kehrs die Rei­se von Pon­ti­us zu Pila­tus zu rekonstruieren.

Damit Sie den Über­blick über die (weit­ge­hend) anony­mi­sier­ten Per­so­nen nicht ver­lie­ren, hier ein Teil der betei­lig­ten Per­so­nen in der Rei­hen­fol­ge ihres Auftritts:

Herr A.dama­li­ger Pfar­rer mei­ner Pfarrei
Frau B.Mit­ar­bei­te­rin der Abtei­lung Kirchen
Herr C.Per­so­nal­re­fe­rent und Regens
Frau D.„Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt“ (KDA) der evang.-lutherischen Nordkirche
Frau E.Sekre­ta­ri­at des Generalvikars
Herr F.Gene­ral­vi­kar des Erz­bis­tums Hamburg
Herr G.Refe­rent des Generalvikars
Herr H.Per­so­nal­re­fe­rent u. stellv. Generalvikar
Erz­bi­schof Ste­fan Heße
Frau I.Mit­ar­bei­te­rin der Rechts­ab­tei­lung des Generalvikariats
Frau J.Pas­to­ra­le Dienst­stel­le, Refe­rat Engagementförderung
Frau K.Pas­to­ra­le Dienst­stel­le, Fach­stel­le ehren­amt­li­ches Engagement


Hier das Pro­to­koll mei­ner Rei­se auf den Spu­ren der „Rah­men­ord­nung“:

Feb. 2016Anruf bei Frau B. (Gene­ral­vi­ka­ri­at, Abtei­lung Kir­chen­ge­mein­den):
Wer im Erz­bis­tum kann mir beim The­ma Mob­bing helfen?

Frau B. ver­spricht, sie wer­de sich erkun­di­gen.
Sie mel­det sich aber nicht wieder.
19.02.2016Nach­fra­ge per Mail an Frau B.
Kei­ne Antwort.
04.03.2016Zwei Wochen spä­ter: Nach­fra­ge an Frau B.
04.03.2016Tele­fo­ni­sche Ant­wort von Frau B.: Sie habe z.Zt. viel zu tun; ich müs­se mich noch etwas gedul­den.
„Wenn Sie mir kei­ne Ansprech­per­son nen­nen kön­nen, soll ich mich dann an den Erz­bi­schof wen­den?“
„Das kön­nen Sie machen, wenn es Ihnen Spaß macht!“
07.03.2016Anfra­ge an Herrn C. (Per­so­nal­re­fe­rent im Erz­bis­tum): Wer kennt sich in der Mob­bing-Bera­tung aus?
07.03.2016Auto­ma­ti­sche Abwesenheitsnotiz.
08.03.2016Vor­schlag an Erz­bi­schof Heße, eine Mob­bing-Bera­tungs­stel­le nach dem Vor­bild ande­rer Bis­tü­mer (z.B. Aachen, Bam­berg, Essen, Hil­des­heim, Rot­ten­burg-Stutt­gart, Pas­sau) ein­zu­rich­ten.
Kei­ne Reaktion.
08.03.2016Frau B.: Zustän­dig sei Frau D. von der ev.-luth. Nord­kir­che, Abtei­lung „Kirch­li­cher Dienst in der Arbeits­welt“ (KDA) der eine Mob­bing- und Kon­flikt-Hot­line anbietet.
09.03.2016Per­so­nal­re­fe­rent C. ver­weist eben­falls auf Frau D. vom KDA.

Ich tele­fo­nie­re mit Frau D. vom KDA. Sie sag­te selbst, sie kön­ne nicht hel­fen,
1. weil der KDA spe­zi­ell für Haupt­amt­li­che (der evan­ge­li­schen Kir­che) tätig sei und
2. weil der KDA Pfar­rer A. nicht zwin­gen kön­ne, mit mir zu reden.
15.03.2016Frau E. (Sekre­ta­ri­at des Gene­ral­vi­kars) schreibt, der Erz­bi­schof habe mein Schrei­ben an Gene­ral­vi­kar F. wei­ter­ge­lei­tet, der sich bei mir mel­den wer­de.
Tut er aber nicht.
27.04.2016Sechs Wochen spä­ter: Nach­fra­ge an Gene­ral­vi­kar F.
27.04.2016Auto­ma­ti­sche Abwesenheitsnotiz.
25.05.2016Vier Wochen spä­ter: Nach­fra­ge an Gene­ral­vi­kar F.
01.06.2016Herr G. (Refe­rent des Gene­ral­vi­kars): Das Gene­ral­vi­ka­ri­at kön­ne nur als letz­te Eska­la­ti­ons­stu­fe in eine Schlich­tung ein­stei­gen. Er schlägt vor, eine neu­tra­le Ver­trau­ens­per­son vor Ort zu bit­ten, die Ver­mitt­lung der Ange­le­gen­heit zu übernehmen.
05.06.2016Mail mit aus­führ­li­cher Erklä­rung der Pro­ble­me an Herrn G. – Zwei kon­kre­te Fra­gen:
1. Wenn mein Pfar­rer die Zusam­men­ar­beit mir been­det, habe ich dann das Recht, den Grund dafür zu erfah­ren?
2. Wenn der Pfar­rer dar­über nicht spre­chen will, was soll ich dann tun?
13.06.2016Herr G. emp­fiehlt mir eben­falls Frau D. vom evan­ge­li­schen „Kirch­li­chen Dienst in der Arbeits­welt“ (KDA). Auf mei­ne Fra­gen ant­wor­tet er nicht.
14.06.2016Ich erklä­re Herrn G., war­um der KDA nicht hel­fen kann, und bit­te erneut um Hilfe.
21.06.2016Eine Woche spä­ter: Nach­fra­ge bei Herrn G.: Sind mei­ne E‑Mails nicht angekommen?
21.06.2016Herr G. emp­fiehlt mir erneut, vor Ort eine Ver­trau­ens­per­son zu suchen, die ein Gespräch zwi­schen dem Pfar­rer und mir ver­mit­telnd beglei­tet. „Von hier aus kann ich dies nicht machen.“
21.06.2016Ich wie­der­ho­le mei­ne Fra­gen vom 05.06.2016.
24.06.2016Herr G.: „Das kön­nen wir nicht leis­ten. Das ist eine Ange­le­gen­heit der Pfar­rei und kann auch nur in die­ser geklärt werden.“
24.06.2016Hin­weis an Herrn G., dass das mei­ne Fra­gen nicht beantwortet.
24.06.2016Auto­ma­ti­sche Abwesenheitsnotiz.
24.06.2016Herr G.: „Wir aus dem Gene­ral­vi­ka­ri­at kön­nen uns nicht in Ange­le­gen­hei­ten, die auf Pfar­rei­ebe­ne geklärt wer­den müs­sen, ein­schal­ten.“ Er emp­fiehlt mir, mich an mei­nen PGR zu wenden.
24.06.2016Erneu­te Erklä­rung an Herrn G., dass das mei­ne Fra­gen nicht beant­wor­tet.
Kei­ne Reaktion.
10.11.2016Nach dem Mär­ty­rer-Gedenk­got­tes­dienst in Lübeck sprach ich Erz­bi­schof Ste­fan Heße auf das The­ma Mob­bing-Bera­tung an. Er will dazu nichts sagen, ver­weist mich an Gene­ral­vi­kar F.
13.11.2016Anfra­ge per Mail an Gene­ral­vi­kar F.
16.11.2016Gene­ral­vi­kar F.: „Es liegt in der Hoheit der Pfar­rei, wie sie Ehren­amt­li­che beglei­tet. Da mischen wir uns als Erz­bis­tum nicht ein.“
16.11.2016Ich wei­se den Gene­ral­vi­kar auf die oben genann­te „Rah­men­ord­nung“ hin, in der Ehren­amt­li­chen Hil­fe vom Erz­bis­tum zuge­sagt wird.
16.11.2016Auto­ma­ti­sche Abwe­sen­heits­no­tiz von Herrn G. (Refe­rent des Generalvikars).
13.12.2016Vier Wochen spä­ter: Nach­fra­ge an Erz­bi­schof Heße;
Kopie an Gene­ral­vi­kar F., Per­so­nal­re­fe­rent H. und Herrn G.
Kei­ne Reaktion.
17.10.2018Okay, das wer­de ich machen!
Erneu­te Anfra­ge an Gene­ral­vi­kar F. (jetzt ist es raus: es han­delt sich um Ans­gar Thim).
18.10.2018Herr F: „Wir wer­den Ihnen nach einer ange­mes­se­nen Zeit der Bear­bei­tung eine Ant­wort geben.“
24.10.2018Anruf in der Rechts­ab­tei­lung des Erz­bis­tum zur Gül­tig­keit der „Rah­men­ord­nung“.
Frau I. (Rechts­ab­tei­lung) ver­weist mich an Frau J. (Pas­to­ra­le Dienst­stel­le, Refe­rat Engagementförderung).
24.10.2018Frau J. ver­weist mich an Frau K. (Fach­stel­le ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment), bie­tet mir aber auch ein per­sön­li­ches Gespräch an.
24.10.2018Anfra­ge beim Gene­ral­vi­kar F. nach dem Stand der Bearbeitung.
24.10.2018Gene­ral­vi­kar F: „Sie kön­nen sich vor­stel­len, dass wir im Rah­men unse­res Sanie­rungs­pro­zes­ses vie­le ande­re Pro­ble­me auch zu bear­bei­ten haben.“
25.10.2018E‑Mail an Frau J. mit Erklä­run­gen zu mei­nem Anliegen.
26.10.2018Frau J. ver­ein­bart mit mir einen Gesprächs­ter­min im Erzbistum.
01.11.2018Etwas ein­stün­di­ges, sehr ange­nehm ver­lau­fen­des Gespräch mit Frau J. in Räu­men des Gene­ral­vi­ka­ri­ats in Ham­burg. Sie ver­steht und unter­stützt mein Anlie­gen, meint aber, dass Pfar­rer A. nach dem Wech­sel sei­ner Pfarr­stel­le nicht mehr ver­pflich­tet sei, mit mir zu reden.
05.11.2018Herr H. (Per­so­nal­re­fe­rent u. stellv. Gene­ral­vi­kar) teilt mir mit, dass sich der evan­ge­li­sche „Kirch­li­che Dienst in der Arbeits­welt“ (KDA) nur um Haupt­amt­li­che küm­mern kön­ne.
(Das weiß ich seit März 2016…)
„Ich wer­de mich bemü­hen, mit der Lei­tung der Pas­to­ra­len Dienst­stel­le die­ses The­ma besprechen.“
07.11.2018Ich weiß, dass ich Pfar­rer A. drei Tage spä­ter bei einem Gedenkt­got­tes­dienst begeg­nen wer­den. Des­we­gen bit­te ich Herrn H., Pfar­rer A. zu ermun­tern, mit mir zu sprechen.
07.11.2018Herr H.: „Herz­li­chen Dank für Ihre Mail und die aus­führ­li­che Schil­de­rung des Vor­falls, der war mir nicht bekannt. (…) Ich den­ke, dass es nicht gut wäre, ihn unver­hofft anzu­spre­chen. Mir wäre ein ver­ein­bar­tes Gespräch lie­ber, auf das sich jeder vor­be­rei­ten kann.“
Eine gute Idee – die er aber nie wie­der auf­grei­fen wird.
09.11.2018Aus­führ­li­che Ant­wort von Frau J. zu mei­nem Rück­blick auf das gemein­sa­me Gespräch im Gene­ral­vi­ka­ri­at. Aber: „Ich bin nicht in der Rol­le einer Vermittlerin.“
22.11.2018Ich bit­te Frau J. noch ein­mal, Pfar­rer A. davon zu über­zeu­gen, mir die Grün­de für mei­nen Raus­wurf zu nennen.
26.11.2018Herr H. teilt mir, dass künf­tig Frau J. mei­ne Beschwer­de bear­bei­ten wer­de. 
(Ich weiß – das tut sie doch bereits!)
26.11.2018Frau J.: Sie sei jetzt offi­zi­ell mit dem Fall beauf­trag und wer­de mit Pfar­rer A. über sei­ne Grün­de spre­chen und sie mir mitteilen.
07.01.2019Sechs Wochen spä­ter: Nach­fra­ge an Frau J.: Was ist aus dem Gespräch geworden?
07.01.2019Frau J. sagt, dass sie mit Pfar­rer A. gespro­chen habe und schlägt ein neu­es Tref­fen mit mir vor. (Sie bie­tet sogar an, dafür nach Lübeck zu kommen!)
23.01.2019Bei einem per­sön­li­chen Gespräch im Gene­ral­vi­ka­ri­at berich­tet Frau J. von der Unter­re­dung mit Pfar­rer A. Er wei­ge­re sich wei­ter­hin, mit mir zu spre­chen, nann­te aber ihr den (angeb­li­chen) Grund für mei­nen Raus­wurf.
Ich erklär­te ihr, dass das gelo­gen ist – was ich ihr auch leicht bewei­sen kann.
Frau J. bedau­er­te, mir nicht wei­ter­hel­fen zu kön­nen – sie kön­ne Pfar­rer A. nicht zwin­gen, mit mir zu reden, sag­te aber, dass im GV an der Errich­tung eines „Beschwer­de­ma­nage­ments“ gear­bei­tet werde.
18.08.2019Acht Mona­te spä­ter Nach­fra­ge an Frau J.:
Wie ist der Stand beim „Beschwer­de­ma­nage­ment“?

Frau J.: Das The­ma sei in Arbeit.
05.03.2020Sie­ben Mona­te spä­ter Nach­fra­ge an Frau J.:
Wie ist der Stand beim „Beschwer­de­ma­nage­ment“?
05.03.2020Frau J.: Das The­ma sei in Arbeit; es lie­ge jetzt beim Generalvikar.
15.12.2020Neun Mona­te spä­ter Nach­fra­ge an Frau J.:
Wie ist der Stand beim „Beschwer­de­ma­nage­ment“?
15.12.2020Frau J.: Das The­ma sei in Arbeit.
Bis zum 31.03.2021 sol­le eine „Ver­wal­tungs­richt­li­nie“ in Kraft gesetzt werden.
04.06.2021Sie­ben Mona­te spä­ter Nach­fra­ge an Frau Frau J.:
Wie ist der Stand beim „Beschwer­de­ma­nage­ment“?
04.06.2021Frau J.: Bis zum 30.06.2021 sol­le ein Kon­zept erstellt wer­den.
Eine Ansprech­per­son kön­ne sie mir noch nicht nennen.
18.06.2021Nach­fra­ge bei Gene­ral­vi­kar F.: Was ist aus der Ver­wal­tungs­richt­li­nie für das Beschwer­de­ma­nage­ment gewor­den? Wer ist Ansprech­part­ner für mich?
Kei­ne Reaktion.
28.06.2021Iden­ti­sche Nach­fra­ge an Gene­ral­vi­kar F.
30.06.2021Frau E. (Sekre­ta­ri­at des Gene­ral­vi­kars): Der Gene­ral­vi­kar sei bis Mit­te Juli im Urlaub und wer­de sich anschlie­ßend mel­den.
Tut er aber nicht.
27.07.2021Vier Wochen spä­ter: Iden­ti­sche Nach­fra­ge an Gene­ral­vi­kar F.
27.07.2021Gene­ral­vi­kar F.: Wegen Coro­na und die Situa­ti­on um Erz­bi­schof Heße kön­ne man­ches lei­der momen­tan nicht so schnell ent­schie­den wer­den. Mei­ne Ange­le­gen­heit sol­le zunächst inner­halb der Pfar­rei geklärt wer­den. „Wenn es Ver­feh­lun­gen von Hauptamtlichen/Geistlichen geben soll­te, sind die­se bit­te in der Per­so­nal­ab­tei­lung anzuzeigen.“
29.07.2021Ich wei­se den Gene­ral­vi­kar auf die „Rah­men­ord­nung“ hin, die bereits 2008 eine Ansprech­per­son auf Bis­tums­ebe­ne ver­spro­chen hat – und dar­auf, dass der Lei­ter der Per­so­nal­ab­tei­lung mir schon am 26.11.2018 mit­teil­te, dass er dafür nicht zustän­dig sei.
Kei­ne Reaktion.
15.10.2021Knapp drei Mona­te spä­ter: Hin­weis an Gene­ral­vi­kar F. und den Lei­ter der Per­son­ab­tei­lung Herrn H. auf die „Rah­men­ord­nung für ehren­amt­li­che Mit­ar­beit im Erz­bis­tum Ham­burg“.
Kei­ne Reaktion.
19.10.2021Nach­fra­ge an Herrn F. und Herrn H. – dies­mal etwas kon­kre­ter als Fra­gen for­mu­liert: Ist die Rah­men­ord­nung noch gül­tig? Gilt sie auch in mei­nem Fall?
Kei­ne Reaktion.
20.10.2021Gene­ral­vi­kar F.: „Die Reg­lung der Rah­men­ord­nung für ehren­amt­li­chen Mit­ar­beit im Erz­bis­tum Ham­burg gilt für ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.“
(Wirk­lich? Ist das so…?)
„Wir sind der­zeit dabei einen Ombuds­stel­le ein­zu­rich­ten.“ (Ich weiß…!) Geplan­ter Ter­min: Früh­jahr 2022.
Kei­ne Ant­wort auf mei­ne Fragen.
20.10.2021Erneu­te Nach­fra­ge an Per­so­nal­re­fe­rent H. (in Kopie u.a. an Erz­bi­schof Heße):
Ist die Rah­men­ord­nung noch gül­tig? Gilt sie auch in mei­nem Fall?
Kei­ne Reaktion.
26.10.2021E‑Mail an Erz­bi­schof Heße: Ich schrei­be ihm, dass er selbst am 10.11.2016 gebe­ten hat­te, ich sol­le mich an Gene­ral­vi­kar F. wen­den, dass die Ange­le­gen­heit aber trotz vie­ler Nach­fra­gen nicht geklärt sei. Ich fra­ge kon­kret nach der „Rah­men­ord­nung für Ehren­amt­li­che Mit­ar­beit“.
Kei­ne Reaktion.
02.11.2021Iden­ti­sche E‑Mail an Erz­bi­schof Heße.
Kei­ne Reaktion.
05.11.2021Noch eine E‑Mail an Erz­bi­schof Heße, dies­mal ganz knapp mit drei ganz kon­kre­ten Fra­gen. Gesen­det mit „hoher Prio­ri­tät“.
Kei­ne Reaktion.

Ich hat­te dann auch noch ver­sucht, mit Hil­fe eines Leser­briefs in der Bis­tums­zei­tung eine Ant­wort aus dem Gene­ral­vi­ka­ri­at her­aus­zu­lo­cken:
 

 

Dar­auf bekam ich zwar vie­le – durch­weg posi­ti­ve! – Reak­tio­nen (ande­re Men­schen schei­nen ähn­li­che Erfah­run­gen gemacht zu haben), aber kei­ne aus dem Gene­ral­vi­ka­ri­at.
 

Wozu dieser Aufwand?

Sie fra­gen sich wahr­schein­lich kopf­schüt­telnd, war­um ich seit fünf­ein­halb Jah­ren an die­ser Sache dran bin, obwohl doch sowohl Pfar­rer A. als auch die Ver­ant­wort­li­chen im Gene­ral­vi­ka­ri­at ganz deut­lich gemacht haben, dass sie kein Inter­es­se an einer Klä­rung haben.

Sie haben natür­lich recht. 

Aber es geht längst nicht mehr allein um die Fra­ge, war­um mich Pfar­rer A. raus­ge­schmis­sen hat. Es geht ins­be­son­de­re dar­um, dass sich das Erz­bis­tum mit einer „Rah­men­ord­nung“ schmückt („Schaut her, wie sehr uns die Ehren­amt­li­chen am Her­zen lie­gen!“), aber gar nicht dar­an denkt, deren Zusa­gen an die Ehren­amt­li­chen einzulösen.

In der Prä­am­bel wird in schwüls­ti­gen Wor­ten das Ehren­amt gepriesen:

Als Mit­glie­der des Vol­kes Got­tes sind sie dem Heils­wil­len Got­tes ver­pflich­tet und sol­len in Wort und Tat das Evan­ge­li­um ver­kün­den. Vor aller Unter­schei­dung und hier­ar­chi­scher Struk­tu­rie­rung in der Kir­che haben alle Glau­ben­den Anteil am Pries­ter­tum Jesu Chris­ti und eine gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung für die Sen­dung der Kir­che als uni­ver­sa­les Heils­sa­kra­ment.
Ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment ist leben­di­ger Aus­druck die­ses gemein­sa­men Pries­ter­tums; die Mit­wir­kung an der Sen­dung der Kir­che geschieht unter der Lei­tung des beson­de­ren Pries­ter­tums des kirch­li­chen Amtes, wird von ihm geför­dert und begleitet.

Da sind die Ehren­amt­li­chen „Mit­glie­der des Vol­kes Got­tes“, die „in Wort und Tat das Evan­ge­li­um ver­kün­den“, die „Anteil am Pries­ter­tum Jesu Chris­ti“ haben, mit „Ver­ant­wor­tung für die Sen­dung der Kir­che als uni­ver­sa­les Heils­sa­kra­ment“.

Wenn sie aber etwas wol­len, dann wer­den sie haupt­säch­lich als Stör­fak­tor wahr­ge­nom­men.
Die Ein­stel­lung gegen­über den Ehren­amt­li­chen ist wohl eher so, wie es Lukas beschreibt:

Wenn ihr alles getan habt, was euch befoh­len wur­de, sollt ihr sagen:
Wir sind unnüt­ze Knech­te; wir haben nur unse­re Schul­dig­keit getan.

Lukas 17,10


Ich bin viel­leicht der ein­zi­ge Ehren­amt­li­che im gan­zen Erz­bis­tum, der auch nach über fünf Jah­ren noch nicht auf­ge­ge­ben hat zu fra­gen. Aber ich bin ganz sicher nicht der ein­zi­ge, der sich beim Ver­such, Hil­fe zu bekom­men, eine blu­ti­ge Nase geholt hat. Des­we­gen steht mein kon­kre­ter Fall für all die ande­ren Ehren­amt­li­chen, die an der „Füh­rungs­eta­ge“ der Kir­che geschei­tert sind.

Der Kir­che lau­fen nicht nur die Gläu­bi­gen davon, son­dern auch die Ehren­amt­li­chen, ohne die Kir­che gar nicht mehr vor­stell­bar ist (wie sie in Sonn­tags­re­den immer wie­der betont). Wenn die Kir­che nicht merkt, dass sie selbst maß­geb­lich dar­an schuld ist, hat sie ein Problem.

Viel­leicht liest das ja der eine oder die ande­re Ver­ant­wort­li­che im Erz­bis­tum und zieht dar­aus die rich­ti­gen Schlüsse…

 
 

Lesens­wert:
Man muss sich in der Kir­che über den Pfar­rer beschwe­ren kön­nen“ von P. Klaus Mer­tes SJ
und „Ver­gesst den Ehren­amts­be­griff“ von Rai­ner Bucher.

Ein Gedanke zu „„Da mischen wir uns als Erzbistum nicht ein.“

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