Ab heute nur noch „Herr“

Ab sofort wer­de ich mei­nen Bischof nur noch mit „Herr Heße“ anschrei­ben oder anspre­chen. Das gilt auch für alle ande­ren kirch­li­chen Titel­trä­ger.

Eigent­lich ist das Neue Tes­ta­ment recht ein­deu­tig in Bezug auf Hier­ar­chien unter Chris­ten. Jesus selbst warn­te:

Ihr aber sollt euch nicht Rab­bi nen­nen las­sen; denn nur einer ist euer Meis­ter, ihr alle aber seid Brü­der. Auch sollt ihr nie­man­den auf Erden euren Vater nen­nen; denn nur einer ist euer Vater, der im Him­mel.

Mat­thä­us 23,8+9

Und Pau­lus mahn­te:

Mei­ne Brü­der und Schwes­tern, hal­tet den Glau­ben an unse­ren Herrn Jesus Chris­tus, den Herrn der Herr­lich­keit, frei von jedem Anse­hen der Per­son!

Jako­bus 2,1

Es gibt nicht mehr Juden und Grie­chen, nicht Skla­ven und Freie, nicht männ­lich und weib­lich; denn ihr alle seid einer in Chris­tus Jesus.

Gala­ter 3,28

Die Bot­schaft ist klar: Alle Schwes­tern und Brü­der haben den glei­chen Rang, nie­mand soll wegen sei­ner Stel­lung bevor­zugt wer­den. Aber die Kir­che ent­wi­ckel­te bald fein abge­stuf­te Hier­ar­chien, mit denen die­ses Ide­al der klas­sen­lo­sen christ­li­chen Gemein­de unter­lau­fen wur­de.

Nicht auf­grund des Ver­hal­tens, der Leis­tun­gen, des Rufs, son­dern allein auf­grund des ihm ver­lie­he­nen Ran­ges wird fest­ge­legt, ob jemand als ehr­wür­dig, wohl­erwür­dig, hoch­wür­dig, hoch­wür­digst, hoch­ehr­wür­dig oder hoch­er­wür­digst ist. Laut Wiki­pe­dia lau­ten die off­zi­el­len Anre­den in der römisch-katho­li­schen Kir­che tat­säch­lich immer noch (auch wenn in der Pra­xis wohl kaum noch ver­wen­det):

PapstEure Hei­lig­keit, Hei­li­ger Vater
Kar­di­nalEure (Hoch­wür­digs­te) Emi­nenz
Bischof, Erz­bi­schof, Titu­lar­bi­schof, Weih­bi­schofEure (Hoch­wür­digs­te) Exzel­lenz,
(Hoch­wür­digs­ter) Herr (Erz-)Bischof,
Ehren­prä­lat Sei­ner Hei­lig­keitHoch­wür­digs­ter Herr Prä­lat
Kaplan Sei­ner Hei­lig­keitMon­si­gno­re
AbtHoch­wür­digs­ter Herr Abt,
Hoch­wür­di­ger Vater Abt
Pries­terHoch­wür­den, Hoch­wür­di­ger Herr Pfar­rer
Dia­konHoch­ehr­wür­den, Hoch­ehr­wür­di­ger Herr, Hoch­wür­den, Hoch­wür­di­ger Herr
Sub­dia­konWoh­lehr­wür­den, Woh­lehr­wür­di­ger Herr
Äbtis­sinHoch­wür­di­ge Frau Äbtis­sin,
Hoch­wür­di­ge Mut­ter Äbtis­sin
Obe­rinMut­ter Obe­rin, Ehr­wür­di­ge Mut­ter, Ehr­wür­digs­te Mut­ter, Hoch­ehr­wür­di­ge Mut­ter
Ordens­schwes­ter, Non­neEhr­wür­di­ge Schwes­ter
Lai­en­bru­der, Novi­zeEhr­wür­di­ger Bru­der, Ehr­wür­di­ger Herr, Ehr­wür­den
(https://de.wikipedia.org/wiki/Anrede)

Da freu­te es mich, in einem Bei­trag über die ers­te Voll­ver­samm­lung des Syn­oda­len Weg zu lesen:

Da wur­de der Antrag gestellt, doch wäh­rend der Sit­zun­gen auf alle welt­li­chen und kirch­li­chen Titel zu ver­zich­ten, um ange­sichts der struk­tu­rell nicht zu besei­ti­gen­den Unter­schie­de wenigs­tens im Umgang ein Zei­chen zu set­zen und die für Katholik*innen außer­lit­ur­gisch unge­üb­te Anre­de „Schwes­tern und Brü­der“ etwas all­tags­taug­li­cher zu unter­füt­tern. Der Antrag wur­de von Frau Pro­fes­so­rin Bir­git Asch­mann mit Ver­ve unter­stützt. Er lös­te aber vor allem Hei­ter­keit aus, wur­de von Exzel­lenz Bischof Over­beck als Sit­zungs­lei­ter laut­hals weg­ge­lacht und schließ­lich abge­lehnt. Man saß ja schon alpha­be­tisch ega­li­siert, damit muss­te es dann auch mal gut sein.

Nor­bert Lüde­ke (www.feinschwarz.net)

Mag Bischof Over­beck dar­über lachen – der Vor­schlag geht doch in genau die Rich­tung, die Jesus und Pau­lus gewie­sen haben! Wenn der Vor­schlag von der Voll­ver­samm­lung auch abge­lehnt wur­de, so hat er mich doch sehr beein­druckt.

Ich wer­de daher Geist­li­che – vom Kaplan bis zum Papst – künf­tig nicht mehr mit ihren Titeln anzu­spre­chen, son­dern nur noch mit „Herr“.

Ich hof­fe, dass sie das nicht Respekt­lo­sig­keit wahr­neh­men, son­dern als den Ver­such, das ernst zu neh­men, was Pau­lus gesagt hat: „Hal­tet den Glau­ben frei von jedem Anse­hen der Per­son!“

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